Schmunzelecke „Weisch na?“

Eine Geschichte aus der grossen Zeit des TVU-Handballs

«Handballitäten» von anno dazumal…

Walter Meier ist ein unermüdlicher und zuverlässiger Lieferant von Geschichten aus der grossen Zeit des TVU-Handballs in den Fünfziger- und Sechzigerjahren, als der Handball noch hauptsächlich auf dem Grossfeld gespielt wurde. Heute beschreibt er einen ganz Grossen aus der TVU Meister- und Cupsiegermannschaft.

Richi – gut im Schuss, mit dem Mund und mit der Hand!

Eine der schillerndsten Persönlichkeiten im TVU-Handball war Richard «Richi» Wegmann. Auffallend mit roten Haaren und einem Bürstenschnitt, immer zu Spässen bereit, aktiv beteiligt am Spielgeschehen auf dem Sportplatz, ebenso wie anderswo, aber immer im Zentrum, dort wo etwas geschah. Schon in der Jugend, bei den damals populären Schulhausmeisterschaften, war «Bubi» (damals sein allgemeiner Rufname) bekannt. Er war im Sturm und in der Verteidigung immer sehr präsent und körperlich beeindruckend und einsatzfreudig.

Einmal, bei einem Meisterschaftsspiel geschah es, dass er vor dem Spielanpfiff, mit dem Ball in der Hand einem gegnerischen Spieler zurief: «Edi, wenn ich dir den Ball zuspiele, spielst du ihn mir dann wieder zurück?» Dem angesprochenen Spieler war die völlig unübliche Frage nicht ganz klar, und so wiederholte Richi seine Frage. «Mach’ ich» war nun dessen Antwort. «Und du Schorsch, gibst du mir den Ball auch wieder zurück?», rief er dem gegnerischen Verteidiger zu. «Klar, mache ich!», war dessen Antwort. Richi wandte sich an den Schiedsrichter: «Ist es regelkonform, wenn ich den Ball beim Anspiel zuerst dem Gegner zuspiele?» «Ja» bestätigte der und pfiff das Spiel an.
Richi spielte den Ball zu Edi und erhielt ihn wieder zurück. Der Ball ging an Schorsch und auch von dem wieder zu Richi. Der war mittlerweile bereits am gegnerischen Torkreis und schoss das Goal. Der Torhüter bewegte sich nicht. Der Schiedsrichter pfiff und zeigte auf den Mittelpunkt zum Anspiel. Allgemeines Gelächter! Richis Mitspieler hatten nicht einmal die eigene Spielfeldhälfte verlassen, und der TVU führte dank Richis Alleingang bereits 1:0…

Die zweite Szene passierte bei einem Meisterschaftsspiel der Seniorengruppe. Viermal waren die TVU-Handballer Meister in dieser Kategorie, und sie strebten einen weiteren Titel an, um den vom Verband ausgesetzten Pokal definitiv behalten zu können. Austragungsort war die Traglufthalle der Kantonsschule Rämibühl. Das System dieser stützenlosen, «Ballon» genannten Halle ist denkbar einfach. Man füllt eine auf einem ebenen Platz befestigte, luftundurchlässige Hülle durch ein Gebläse mit Druckluft, bis sie auf die Grösse einer Turnhalle aufgeblasen ist, und schon hat man einen vor der Witterung geschützten Spielplatz. Dabei reicht schon ein ganz geringer Überdruck gegenüber draussen, dass die Halle sehr stabil steht. Um den Druckverlust bei Eingang möglichst gering zu halten, erfolgt der Zugang durch eine Drehtür, und das Gebläse gleicht den Druckverlust permanent aus. Ohne grossen Kraftaufwand erreicht man durch die Drehtür das Innere der Halle oder steht wieder im Freien.
Das Spiel war schon einige Zeit im Gange, als sich Kurt Hartmann zum Auswechseln auf die Spielerbank setzte, wobei ihm ein Gegenspieler im Vorbeigehen mit der Hand ins Gesicht schlug, so dass Kurt aus der Nase blutete. Richi Wegmann ging zu Kurt und fragte, was mit ihm los sei. «Der dort hat mir einfach eine Ohrfeige gegeben», war dessen Antwort. «Wart nur bis zum Spielende!» war alles, was Richi verlauten liess. Der Schiedsrichter war auf das Spiel konzentriert und hatte von dieser Auseinandersetzung nichts mitbekommen.
Nach Ende des Spiels ging Richi als erster durch die Drehtür und wartete auf den Kontrahenten von Kurt. Der kam heraus, die linke Hand an der Drehtürstange und kriegte gleich eine schallende Ohrfeige und so viel Schwung, dass er, ohne die Stange loszulassen, gleich wieder in die Spielhalle hinein marschierte. Dort blieb er verwundert stehen. Keine Reaktion! Viele hatten es gesehen, und alle verstanden Richis Sinn für «ausgleichende Gerechtigkeit»…

(Erlebt und weitererzählt von Walter Meier, aufgeschrieben und redigiert von Peter Tobler)

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