«07:50 Uhr Treffpunkt Hauptbahnhof»
Der Blick am frühen Morgen galt vermutlich bei allen Teilnehmern der Wetterprognose für den heutigen Tag. So richtig festlegen wollte sich niemand und drum gehörte ein passender Regenschutz ins Handgepäck. Der Hauptbahnhof Zürich präsentierte sich für einen Donnerstagmorgen um diese Zeit deutlich weniger hektisch als erwartet. Nachdem sich alle begrüsst hatten, übernahmen unsere Reiseleiter das Kommando und waren dafür besorgt, dass auf dem Weg zum Gleis 9 wo der IR35 erwartet wurde, niemand abhanden kam. Dort trafen wir die Teilnehmer, deren knapper Anschluss einen «Umweg» über den Treffpunkt nicht mehr ratsam erscheinen liess.
Pünktlich um 08:12 verliess der Zug den Hauptbahnhof Richtung Wädenswil. Bereits entlang des linken Zürichsee-Ufers zeigten sich die ersten Sonnenstrahlen. Trotz grossen Wolken liess und das darauf hoffen den Regenschirm nicht zu benötigen.
Das Umsteigen in die S13 nach Einsiedeln klappte ebenfalls reibungslos. Zu unserer Überraschung gab es überall ausreichend Sitzplätze, sodass die Fahrzeit wie im Flug herumging.
Nach der Ankunft in Einsiedeln konnten wir auch die Einheimischen, die hier direkt zu uns stiessen begrüssen. Anschliessend nahmen wir den kurzen Weg zum Kloster unter die Füsse. Zu unserer Überraschung begegneten wir kaum Touristen oder Pilgern. Es lag wohl am Motto «der frühe Vogel fängt den Wurm».
Vor dem Kloster war der Moment gekommen, die fröhliche Truppe, die unterdessen auf 35 Personen angewachsen war, in 2 Gruppen aufzuteilen. Die Reiseleiter benutzten diese Gelegenheit alle Teilnehmer mit den mitgenommenen Namenschildchen ausstatten.
Weil die Stiftbibliothek nur über ziemlich viele Treppenstufen zu erreichen ist, mussten sich die Teilnehmer schon bei der Anmeldung entscheiden ob Programm «Klosterkirche» oder «Stiftsbibliothek und Klosterkirche».
Wir merkten schnell, dass das 1000-jährige Kloster Einsiedeln kein Museum ist sondern noch voll Leben steckt. Neben den hier wohnhaften Mönchen bewegten wir uns zwischen Schülern und zahlreichen Handwerkern, die sich um die tägliche Arbeit kümmern.
Unsere gut gelaunte Führerin, die uns zusammen mit einem Mönch in Empfang nahm, machte uns als erstes auf einen wichtigen Punkt bei ihren nun kommenden Ausführungen aufmerksam:
Die Geschichte des Klosters Einsiedeln und dessen Umfeld scheint sich – je nach Standpunkt und Herkunft des Erzählers – nicht nur in Nuancen zu unterscheiden. Aus Zürcher und Einsiedler Sicht ist die Geschichte des Klosters und seinen Besitztümern geprägt von einer jahrhundertelangen Nachbarschaft voller Spannungen, konfessioneller Konflikte ausgelöst durch Huldrych Zwingli. Es besteht jedoch ebenfalls eine tiefe historische Verbindung – symbolisiert durch das um 1130 gegründete Zürcher Kloster Fahr als einziges bestehendes Doppelkloster, das heute immer noch dem Abt von Einsiedeln untersteht. Ebenfalls verlor oder verkaufte das Kloster Einsiedeln im Mittelalter grosse Güter und Rechte im heutigen Zürcher Gebiet, was oft zu Reibungen mit der aufstrebenden Stadt Zürich führte.
Wir merkten schnell für welche Seite das Herz unserer Betreuerin schlägt. Im Zusammenhang mit der Ausstellung «500 Jahre Aufblühen» sind viele der gezeigten Stücke erstmalig überhaupt der Öffentlichkeit zugänglich – und erlauben es, die Dynamik jener bewegten Zeit in unmittelbarer Nähe zu erleben. Auch für uns verging die Zeit so wie im Flug.
Nach einem ersten interessanten Exkurs in die Geschichte des Klosters machten wir uns an die Erkundung des historischen Gemäuers. Treppen, Gänge, ein Labyrinth wie in einem Computerspiel. Da wir uns hinter den Kulissen bewegten waren wir wegen den gleichzeitig stattfindenden Maturaprüfung sehr leise. Wir allen waren überrascht über den ausgezeichneten Zustand des Gebäudes und die toll präsentierten, vielfältigen Exponate. Wunderschöne Schreibarbeiten, textile Gegenstände und architektonische Details wohin das Auge blickte. Ergänzt von kundigen Hinweisen unserer Führerin. Es zeichnete sich schnell ab, dass uns dieser kurze Besuch von ca. 90 Minuten wohl nur einen ersten Eindruck vermitteln konnte. Im einen oder anderen Kopf wird wohl der Gedanke gereift sein, diesen Besuch bei Gelegenheit noch einmal zu wiederholen.
Besonders gespannt war ich auf den nun folgenden Besuch in der Klosterkirche. Meine letzte Erinnerung daran stammte von einer Schulreise in der 6. Klasse – also aus den 60er Jahren. Diesen Ort nach so vielen Jahren aufs Neue zu erleben war ein tolles Erlebnis. Unterdessen hatten sich bereits die ersten Pilgergruppen und Touristen eingefunden. Und trotzdem war es angenehm ruhig, kein Blitzlichtgewitter, keine Instagram-Selbstdarsteller. Man spürte es gleich – für viele war es ebenfalls ein echtes spirituelles Erlebnis.

Und wieder ein paar Dutzend Treppenstufen und winkliger Gänge weiter befanden wir uns im «Grossen Saal» der Stiftsbibliothek. Die Sammlung umfasst heute rund eine Viertelmillion Werke, Bücher, Inkunablen und andere Kulturgüter. Dank dem Organisationstalent unseres Guides hatten wir den Saal, in dem eine überwältigende Anzahl Bücher aus dem 16. bis in 18. Jahrhundert zu sehen war, quasi für uns, danke.
Wer sich in diese Materie vertiefen will, darf sich gerne hinter diesem Link umsehen.
Nicht ganz unerwartet reichte die Zeit noch aus, um sich im gut eingerichteten hauseigenen Laden des Klosters umzusehen. Bei einigen blieb es nicht nur beim «Luege», obwohl wir wussten, dass nach dem Mittagessen noch ein Abstecher ins Schafbock- und Lebkuchenmuseum eingeplant war.
Unterdessen hatte sich das Wetter einen Ruck gegeben. Und so hatten wir für das Gruppenfoto eine wunderschöne Kulisse mit blauem Himmel und grossen weissen Wolken. Richtiges Kalenderbild-Wetter. Der anschliessende gemütliche Spaziergang führte unter regem Gedankenaustausch der Teilnehmer über das soeben Gesehene hinüber ins Hotel «Drei Könige».
Im «Drei Könige» wurden wir ebenso herzlich empfangen wie bei der vorherigen Etappe. Der gut organisierte Service zauberte in Kürze für alle etwas auf den Tisch. Sowohl das Rindsvoressen «Burgunder Art» als auch die Spätzlipfanne mit reichhaltigen Gemüsebeilagen liessen keine Wünsche offen. Der grosszügige Nachschlag bei den Beilagen sorgte beim einen oder andern sogar für «Engpässe». Doch nach dem abschliessenden Kaffee blieb nirgends etwas von der gebrannten Crème auf dem Tisch stehen. Und hier noch ein Danke an unsere Organisatoren, dass auf Wunsch ein schönes Glas Rot- oder Weisswein inbegriffen war.
Frisch gestärkt und guter Laune starteten wir zur nächsten Etappe. Das Lebkuchen-Museum «Goldapfel» ist weit über die Region hinaus bekannt. Wer an Einsiedeln denkt, dem kommen nach der legendären schwarzen Maria meist die hiesigen «Schafböcke» in den Sinn. Ob nur «echt» mit oder ohne Anis streiten sich die Geister seit Generationen. Jedenfalls ein willkommenes Mitbringsel zum Kaffee bei Jung und Alt. Verteilt über mehrere Etagen kann man hier alte Produktionsmaschinen, Backutensilien und eine eindrückliche Zahl von Holzmodels bestaunen.
Der Eintritt in das Museum ist grundsätzlich gratis. Doch strategisch clever wurden wir bereits an der Eingangstüre mit den diversesten frischen Warenmustern verwöhnt. Der eine oder andere Teilnehmer – der Schreibende inbegriffen – konnte es nicht verklemmen noch ein paar Mal unter dem Vorwand des Fotografierens mehrfach an diese unerschöpflich wirkende Quelle zurückzukehren. Klar, den feinen Geschmack im Mund wird man nicht mehr los. Umso leichter fiel es dann, vor dem Verlassen des Ladens noch einen kleinen oder grösseren Vorrat für zu Hause zu erstehen. Die erste Frage: Einzelstücke oder die Kurpackung? Wenn schon denn schon… Wer sich schwer tat mit dem Entscheid für die weisse oder die braune Variante des Gebäcks, entschied sich meistens nach längerem Probieren für das gemischte Pack.
Mit gefüllten Taschen und vielen Erinnerungen an das Erlebte machte sich die Gruppe fröhlich plaudernd wieder auf den Weg Richtung Bahnhof um den Zug um 15:24 Uhr Richtung Wädenswil zu nehmen.
Unsere beiden wackeren Guides Adrian und Manfred, die den ganz Tag dafür besorgt waren niemanden im Labyrinth des Klosters zu verlieren, konnten es aber dann bei der Zwischenlandung / Umsteigen in Wädenswil doch nicht verhindern, dass ein paar Frühstarter – nein, nicht nur Leichtathleten – nicht auf die Uhr schauten, sondern sich beim erstbesten einfahrenden Zug auf das Schild «Zürich» verliessen.
So trennten sich die Wege für einige früher als geplant. Der grosse Teil erreichte pünktlich kurz nach 16 Uhr den Hauptbahnhof Zürich. Wie wir unterdessen in Erfahrung bringen konnten, sind alle nach diesem interessanten und abwechslungsreichen Tag gut nach Hause gekommen.
Wir freuen uns schon jetzt auf den nächsten gemeinsamen Ausflug im Herbst in Richtung Graubünden. Danke an Adrian und Manfred für die reibungslose Organisation.